Predigten

(Foto: S. Graf)

Hier finden Sie eine Auswahl an Predigten aus unseren Gottesdiensten.

"Jemandem eine Moralpredigt halten" oder "jemanden anpredigen" das klingt für moderne Ohren zurecht aufgesetzt, langatmig und -weilig. Dabei will die Predigt und der Prediger etwas ganz anderes: Die Botschaft von Gottes Weg mit den Menschen Ihnen nahebringen und mit Ihrem Leben in Beziehung setzen. - Also: Alles andere als langweilig!

Entdecken Sie es selbst!

 

 

 

"Wer zuletzt lacht..."

Predigt in Reimform mit Multimedia-Elementen. Gehalten im Aufatmen-Gottesdienst in der Fasnachtszeit am 19.02.2017. (Autor: Pfr. Matthias Schröder - Es gilt das gesprochene Wort)

 

Ihr liewe Leit, wer lacht net gern

Und leg des in de Fasnacht fern

Iwwers lache zu sinniere

Und a luschdig musiziere?

 

Einspieler: Boney M: „By the rivers of Babylon“

 

Des klingt so richtig schä beschwingt,

was die alt Combo „Boney M“ do singt.

 

Mer kenn uns frää an unserm Lewe,

singe, lache, was verzähle.

Doch kumme soll des net zuletzt,

des gute Lied hot a en Text.

 

So schwer werd der jo ach net sei

Und uns fallt bestimmt was ei,

iwwer unser Lebensfräd

um die bestimmt des Lied sich dreht:

 

Die Mensche, die uns de Tag verschene,

die Ding, mit den mer uns verwehne.

Die Lieb, die Sun und a des Lache,

gkehre all zu dene Sache.

 

Un mer kenn noch vieles anres finne,

worüber die Leit do kennte singe.

Mer wollens awer net dobei belasse,

loss uns de echte Text ins Aag mol fasse.

 

Was der bedeut, is glei gefunne,

des Lied ist quasi abgesunge.

Was Boney M uns do dun singe,

dut ach schon in de Psalme klinge.

 

So hern mer jetzt glei digital,

ihr liewe Leit des ungekerzte Original:

 

Einspieler: Psalm 137

 

Uff emol laaft’s jetzt ganz schä trieb,

fort is de Fräd aus deme Lied.

 

Es geht um Wut, um Angscht und Träne,

um Leit, die sich noch Heimat sehne.

 

Und wann mer ehrlich sinn, miss mer bekenne,

so manch Sach aus unserm Lewe zu erkenne.

Des is net immer nur zum Lache

Und es gebt so manche Sache,

die Herze schwer und traurig mache.

De Fräd, die ghert zwar a dezu,

awer halt net stets un immerzu.

Do mißten mer uns selbst belieche

Un die a annere betrieche.

 

Mer dun laafe, schaffe, renne,

manch gut Moment dun mer verpenne.

Lewensweche tun sich trenne,

un oft isses doch nur zum flenne.

Alle Mensche misse sterwe

Und s tob so mancher Streit um Erwe.

 

Drum so lautet wohl de letschte Schluss,

dass all’s in Träne enne muss.

 

Lesung: Joh 16,20-22.33

 

De Jesus sagt uns un seine Jinger zu,

ich bleib immer eier „Du“.

A wenn ihr jetzt noch traurig seid,

es gibt e Freed noch allem Leid.

 

Vorwurfsvoll kennt mer jetzt sage,

der will doch nur, dass mer net klage.

Vertreschte will er uns doch nur,

awwer des wär Missverständnis pur.

 

Vertrötschtung will er dodemit net gewe,

sundern echte Kraft fer unser Lewe.

Wirke soll des Ganze Jetzt und Hier,

ihr liewe Leit, bei dir und mir.

 

Dass mer uns net mache losse bange,

und net in uns unsre Ängschte fange;

dass mer getroscht sinn in unserm Lewe

und mutig tun de Kopp erhewe.

Das mer leb in dere Welt

im Vertraue uff de änzich wahre Held,

der uns befreit aus aller Not:

Ewe den änzisch wahre Gott.

 

Oft hän Mensche des erfahre,

Hilf und Rettung aus Gefahre.

Und tut der ent Psalm noch so bitter klinge,

es gebt viel anre, die von Hoffnung singe.

 

Einspieler: Psalm 126

 

Der Psalm do singt vun Rettung aus de Not,

vielleicht sogar vorm bittre Tod.

Ja unser Gott, der macht uns frei,

un a unser Lewe nei.

 

In all de Ängschd, de Sorg, de Mih, de Plage,

kennen mer also getroscht uns sage:

Laafts im Lewe noch so schief,

immer steht‘s unner Gottes Perschpektiv.

 

Jo, oft erscheint des Lewe leer,

unser Herz vun Sorche schwer.

Doch unser Gott, der secht uns zu:

Ich will noch Großes an eich due.

Das all‘s in Träne en muss,

ist ewe net de letztes Schluss.

 

Denn am End vun alle Sache

Steht e himmlisch neies Lache

Drum halte nor am Glawe feschdt

Denn wer zuletscht lacht,

lacht am Beschd.

Amen.

 

Lied nach der Predigt: Monty Python: "Always look on the bright side of life"

 

 

 

"Eine Begegnung im Morgengrauen"

Predigt über Johannes 21,1-14 gehalten an Quasimodogeniti, 23.04.2017 (Autor: Pfr. Matthias Schröder - Es gilt das gesprochene Wort)

Liebe Gemeinde,

Ostern ist eine Woche her. Sieben Tage sind vergangen seit wir das Fest der Auferstehung Jesu gefeiert haben. Wie hat die Botschaft von Ostern in dieser Woche bei Ihnen in Ihrem Leben gewirkt? Die Botschaft davon, dass die Macht des Todes und damit aller Todesmächte gebrochen ist; die Botschaft davon, dass wir befreit von Todesangst als Christen frei und aufrecht leben können.

Wie hat die Botschaft von Ostern bei Ihnen gewirkt? Wie haben Sie mit dieser Botschaft gelebt?

Oder war es – von der durch den Ostermontag verkürzten Woche einmal abgesehen – eine ganz alltägliche Woche. Eine Woche, die war wie immer, quasi ohne Ostern?

 

Ostern ist eine Weile her. – So geht es auch den Jüngern in der Erzählung, die uns das Johannesevangelium überliefert.

Ostern ist eine Weile her, ob nun eine Woche oder mehrere, das erfahren wir nicht. Die Jünger sind nicht mehr in Jerusalem, sondern wieder in ihrem alten Umfeld, am See Genezareth, der hier See Tiberias genannt wird. Auch wird nicht verraten, wie sie die Botschaft von Ostern seit den Tagen in Jerusalem gelebt haben. Aber Alltag – zumindest ein bisschen – scheint auch bei den Jüngern wieder eingekehrt zu sein. Petrus macht, was er auch schon bevor er Jesus kennengelernt hat, beruflich gemacht hat: Er geht Fischen und die anderen begleiten ihn. Sein gelerntes Metier – Alltagsgeschäft, dessen Erfolg aber bei diesem nächtlichen Fischzug ausbleibt.

Ein bisschen Alltag bis zur Begegnung im Morgengrauen.

 

Ich empfand schon immer die Stimmung dieser Erzählung als etwas rätselhaft und melancholisch, gerade in dieser Szene mit den Fischen und dem Brot auf dem Kohlenfeuer. Aber erst als ich mich für diese Predigt mit dieser Erzählung noch einmal näher beschäftigt habe, wurde mir klar, woran diese Stimmung bei mir liegen könnte:

Es könnte die Morgenstimmung sein, in der sich diese Szene ereignet. Das Ufer des Sees Genezareth im Morgengrauen, erst langsam schafft es das Licht das Dunkel der Nacht zurückzutreiben, den grauen Schatten von Bäumen und Menschen wieder Farbe und Erkennbarkeit zu verleihen. Die Feuchte der Nacht liegt noch auf den Halmen und steckt in Kleidern und Knochen. Das Licht der Morgensonne steigt über den See, ein seltsames, klares Licht.

 

Vergeblich haben die Jünger in dieser Nacht den Fischfang versucht. Nun graut der Morgen. An diesem Morgen fällt ein Stück „Morgenglanz der Ewigkeit, Licht von unerschaffnen Lichte“ auf das Ufer des Sees. Ein Mann steht am Ufer. Ruft den Fischenden zu. Redet sie als „Kinder“ an und spricht das Offensichtliche aus: „Kinder habt ihr nichts zu essen.“ Er weist sie an, ihre Netze erneut auszuwerfen zur Rechten – haben sie das nicht schon versucht in dieser Nacht?

Sie kommen der Anweisung nach und werden überreich fündig. Da versteht es der Jünger, den Jesus besonders gern hatte, als erster. Dieser Fremde, der nicht als der zu erkennen ist, der er ist, kann nur einer sein: „Es ist der Herr.“

 

Liebe Gemeinde,

nach dem Erzählgang des Johannesevangeliums haben die Jünger schon zuvor Begegnungen mit dem Auferstandenen erlebt. Maria Magdalena verkündigt ihnen am Ostermorgen, dass sie den Herrn gesehen habe. Zu den Jüngern kommt Jesus am Abend des gleichen Tages und sendet sie aus. Doch einer der Jünger, der nicht mit dabei war, kann den anderen nicht glauben. Erst als Jesus ihnen zum zweiten Mal erscheint, ändert sich das. Die nächste Begegnung ist die am See und so endet ja auch unser heutiger Predigttext mit der Feststellung „das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war“ (Joh 21,14).

Doch ganz so nahtlos und glatt, wie es auf den ersten Blick scheint, fügt sich diese Erzählung nicht in den Ablauf des Evangeliums ein. Theologen haben sich bemüht unterschiedliche Argumente aufzuzählen für einen holprigen Übergang vom vorhergehenden zum 21.Kapitel des Evangeliums. Das stichhaltigste Argument liefert m.E. der Bibeltext selbst. Unmittelbar vor dem Beginn unserer heutigen Erzählung heißt es: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30.31) Das ist ein Schlusswort, ein abschließendes Wort für das Johannesevangelium. Und dann geht es mit Kapitel 21 weiter. Und auch Kapitel 21 endet mit einem Schlusswort: „Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.“ (Joh 21,24)

So vermutet man, dass das Kapitel in dem unsere Erzählung steht, später erst – nachdem das Evangelium mit dem 20.Kapitel abgeschlossen war – dem Evangelium hinzugefügt wurde. Gleichzeitig aber haben die Gemeinden des  frühen Christentums, (wir reden hier wirklich von den Anfängen,) diese Hinzufügung akzeptiert und das Evangelium trotz dieses holprigen Übergangs genauso weitergeben – auch an uns. Vielleicht ist dies mit einer anderen Beobachtung der Theologen zu begründen. Auch die anderen Evangelien (Den Bibelkennern unter ihnen, ist das bestimmt schon aufgefallen.) erzählen uns von dem wunderbaren Fischzug. Doch es spricht einiges dafür, dass genau hier im 21. Kapitel des Johannesevangeliums uns die ursprünglichste Version der Erzählung, die ja zuerst nur mündlich weitergeben wurde, schriftlich erhalten geblieben ist. Eben in jener Begegnung im Morgengrauen mit dem Auferstandenen.

 

 „Es ist der Herr“ – Als Petrus das hört, zieht er sich an und ist nicht mehr zu halten. Wirft sich ins Wasser, und schwimmt die 200 Ellen, die etwa 90 Meter, um vor den anderen am Ufer zu sein. Die anderen kommen mit dem Boot und dem Netz mit den Fischen hinterher.

Am Ufer steht für die Hungrigen schon eine Mahlzeit bereit. Brot und Fisch – wie bei der wunderbaren Speisung der 5000. Jesus lädt sie ein, mit ihm zu frühstücken. Keiner spricht aus, was alle wissen, dass der Fremde niemand anderes ist, als der Auferstandene.

 

Doch warum der wunderbare Fischfang, wenn doch schon Brot und Fisch am Land bereitstehen?

Warum sollen die Jünger auch die Fische bringe, die sie jetzt gefangen haben, wenn der andere Fisch schon auf dem Feuer brutzelt?

Warum muss Petrus nun im Alleingang das volle Netz, das trotz allem nicht zerreißt, an Land ziehen?

Warum hat man die Zahl der Fische so genau aufgeschrieben: 153?

 

Viel ist seit der Alten Kirche über die Bedeutung dieser Zahl spekuliert worden. Genau aufschlüsseln lässt sie sich nicht. Und ob uns Zahlenspekulationen wirklich weiterhelfen, dass sei jetzt einmal dahingestellt. Aber die Zahl kann uns dazu anregen, die Menge der Fische, das haltbare Netz, den Kraftakt des Petrus symbolisch zu verstehen: In Zukunft werden die Apostel durch die Verkündigung der Botschaft des Auferstandenen und Arbeit viele Menschen gewinnen für die Sache Jesu. Sie werden zu Menschenfischern werden, die eine große Zahl unterschiedlichster Menschen zur Gemeinschaft derer sammeln werden, die an Jesus Christus glauben. Und trotz all der Unterschiede zwischen diesen Menschen wird das Netz der Kirche tragen und halten.

Sie merken, dabei verändert sich die Bedeutung des Bildes: Das Netz ist für die echten Fische die Bedrohung, für die Menschen, die gefischt werden sollen, wird es zum tragenden und bergenden Netz.

 

Liebe Gemeinde,

finden Sie diese Deutung zu weitführend? Zu weit wegführend von der eigentlichen Erzählung?

Ich möchte deshalb am Ende noch einmal auf die Erzählung schauen und fragen, was bleibt, wenn man sie einfach so nimmt wie sie dasteht. Es bleibt:

Eine Begegnung im Morgengrauen. Eine liebevolle Anrede und eine fürsorgliche Frage. Eine wunderbare Abhilfe des Mangels. Eine Begegnung, die nicht viele Worte braucht. Ein gemeinsames Mahl, das Menschen verbindet und die Begegnung mit dem ermöglicht, der nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist – Sinnbild des Abendmahls.

Morgenglanz der Ewigkeit fällt auf das Ufers des Sees Genezareth. Eine Szene zu der vielleicht am besten ein Dichterwort passt:

Ums Feuer versammelt,

das die Gesichter erhellt und die Herzen erwärmt.

Eine frische Brise weht vom See herüber.

Er ist dabei.

Es braucht keine Worte.

Blicke genügen – und es ist genug da für jeden.

Erinnerungen werden lebendig,

leuchtend wie die Glut des Feuers:

Ja, er ist da, auch heute,

echte Freundschaft hält, trägt – für immer.

Amen.